Vier Mutter-Tochter-Dynamiken, die dich bis heute gefangen halten

Von Eva Nitschinger | Psychologin, Lehrtrainerin für The Work von Byron Katie, Gründerin von Narzissten-FREI & der PiNK-ROCK – Methode raus aus narzisstischen Verstrickungen

Zur Podcast-Folge: 👉 Narzisstische Mutter-Tochter-Dynamiken auflösen

Vor Kurzem saß eine Klientin bei mir im Prozess-Coaching, und mitten in der Arbeit kam der Satz an die Oberfläche, an den sie aus dem Innersten ihres Herzens glaubt: „Nur, wenn meine Mutter glücklich ist, darf ich glücklich sein.“

Lies ihn noch einmal langsam durch und spüre ihn …

Vielleicht hast du ihn noch nie so formuliert, doch vielleicht lebst du ihn schon seit vierzig, fünfzig oder sechzig Jahren. Denn dieser eine Satz entscheidet über alles. Er entscheidet, ob du NEIN sagen darfst, ob du über Weihnachten wegfahren darfst, wie ich als Beispiel in meinem aktuellen Video erzähle, oder ob du dir überhaupt erlaubst, dein eigenes Leben zu leben.

Und ob du weiter jeden Wunsch von ihren Lippen abliest, dich verbiegst, verstellst, verdrehst und dich als Individuum immer wieder verlässt, damit es IHR endlich gut geht.

Ich bin Eva Nitschinger, Psychologin, Lehrtrainerin für The Work von Byron Katie und Autorin von „Narzissten-FREI!“ und “Die Heilreise des Inneren Kindes”, die Töchtern von narzisstischen Müttern dabei helfen, innerlich FREI zu werden! Ich habe 8.000 bis 10.000 Mal The Work von Byron Katie begleitet, und ich finde immer wieder dieselben Tochter-Mutter – Dynamiken, die ich dir hier und im Video weitergebe.

Hier bekommst du nun also einen Überblick über vier Dynamiken, die ich in meiner Arbeit immer wieder sehe, und erste Hinweise darauf, was du selbst an eurer verstrickten Dynamik verändern kannst.

1. Die verschmolzene Dynamik

Im Bauch deiner Mutter wart ihr wirklich eins: DU und SIE!

Doch seit der Geburt durftest du in dein eigenes Leben hineingehen, in einem eigenen Körper und mit einem eigenen Charakter, natürlich mit vielen ihrer Gene und vielen ihrer Verhaltensweisen, und trotzdem als eigenes Wesen.

Gerade die vulnerable narzisstische Mutter tut manchmal so, als wäre ihr Kind ihr Besitz. Sie fordert unfassbar viel, und das Kind nimmt sich gar nicht mehr als eigenständiges Wesen wahr, sondern glaubt, es müsse alles dafür tun, damit es der Mutter gut geht.

Meine Klientin von vorhin hat in dieser Arbeit noch etwas anderes erkannt, und das war der eigentliche Schmerz: Nicht einmal, wenn sie wirklich ALLES auf ihre Mutter ausrichtet, ist ihre Mutter glücklich. Trotz Verzicht auf ein eigenes Leben und trotz hundertprozentiger Ausrichtung auf die Mutter hat sie es nicht geschafft, die Mutter zufriedenzustellen und mal ein DANKESCHÖN für all ihre Arbeit zu bekommen.

Der Grund dafür liegt nicht bei DIR, wenn das bei dir ähnlich ist. Manche dieser Mütter tragen Erfahrungen in sich, die sie nie angeschaut oder aufgearbeitet haben. Auch wenn du dich noch so sehr bemühst: Du kannst deiner Mutter diese Arbeit nicht abnehmen, und vielleicht wird sie niemals so glücklich sein, wie du es dir für sie wünschst.

Wie kommst du aus dieser Verschmelzung heraus? Zuerst einmal, indem du überhaupt bemerkst, wo du aufhörst und wo deine Mutter anfängt. Nimmst du einen Raum für dich ein? Wenn JA – wie groß ist er?

Mit welcher Stimmung gehst du auf sie zu, und was erwartest du schon, bevor sie ein Wort gesagt hat?

Ich erlebe gerade in meiner eigenen Familie, wie eine (demente) Mutter auf diese Stimmung reagieren kann: Wenn jemand voller Traurigkeit oder Schuldgefühle zu ihr kommt, wird sie vielleicht grantig, verzweifelt oder klagt. Geht jemand fröhlich auf sie zu, kann dieselbe Frau ganz anders reagieren. Das heißt nicht, dass du für ihre Gefühle verantwortlich bist. Es heißt, dass du erkennen darfst, was zwischen euch passiert, statt automatisch wieder darin aufzugehen.

Frag dich auch, welche Gedanken du über sie hast: Wie tickt meine Mutter? Was fühlt sie? Was sollte sie meiner Meinung nach fühlen? Und – wenn du dich abgrenzt: welcher Gedanke macht dir dann ein schlechtes Gewissen?

Genau dort beginnt die Arbeit, denn du darfst ihre Gefühle bei ihr lassen und dein eigenes Leben leben.

Ein Satz, mit dem du anfangen kannst, lautet: „Ich bin ich, und meine Mutter ist meine Mutter.“

2. Die parentifizierte Dynamik

Von außen sieht sie der ersten ähnlich, sie ist aber weniger verschmolzen und geht mehr in eine Art von Kompetenz. Diese Dynamik hatte ich selbst extrem drauf, deswegen kenne ich sie besonders gut.

Wenn du mit einer unreifen Mutter groß wirst, und dafür muss sie nicht einmal narzisstisch sein, dann erkennst du sehr schnell, dass sie einfach keine Konflikte lösen KANN. Sie ist nicht in der Lage, über ihre Bedürfnisse zu sprechen oder auszudrücken, was sie möchte und was nicht. Stattdessen schreit sie, weint, schmeißt alles hin oder sie droht dir. Wie weit das gehen kann, erzähle ich dir im Video an einem Beispiel aus meinem Coaching (https://youtu.be/5KDobOPLbA4).

Du bist wahrscheinlich parentifiziert worden, wenn du solch eine Mutter hattest oder hast. „Parent“ heißt Eltern.

Eigentlich übernimmt eine Mutter die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle und ihre eigenen Taten, statt sie über das Kind auszuschütten. Das Kind einer unreifen Mutter stellt sich stattdessen über die Mutter, oft schon mit sechs, sieben oder acht Jahren, und übernimmt die Verantwortung für die Gefühle und Bedürfnisse der anderen und meistens auch für die Grundstimmung innerhalb dieser Familie. Solch ein Kind wird „altklug“, wählt seine Worte mit Bedacht, um niemanden zu triggern, und überlegt lieber zweimal, ob es von seinen Wünschen oder Problemen erzählt, weil das die Mutter ja zusätzlich belasten könnte.

Manche Mütter nehmen dieses Verhalten sehr gerne an, und dann hörst du Sätze wie: „Du bist doch die Einzige, die weiß, wie man mit deinem Bruder redet“ oder „Du bist ja ohnehin die Einzige, die ich noch zum Reden habe“!

Vielleicht sitzt du deshalb innerlich bis heute auf einem kleinen Sesselchen und schaust auf deine Mutter hinunter: Sie ist schwach, sie kriegt es nicht hin, und ohne mich schafft sie es nicht. Von diesem Sesselchen darfst du heruntersteigen. „Ich bin die Kleine, du bist die Große. Du bist die Mama, ich bin das Kind.“ Das sind zwei wesentliche Sätze, mit denen du beginnen kannst, die vertauschten Rollen wieder zu erkennen. Sie lösen nicht mit einem Mal alles auf, aber sie zeigen dir, welche Verantwortung nie deine war.

Und dann schau dir die Gedanken und Glaubenssätze an, die du über deine Mama hast. Glaubst du, sie braucht dich für alles? Glaubst du, sie ist zu schwach, um ihr eigenes Leben zu tragen? Was denkst du über eure Beziehung und über dich, wenn du ihr einmal nicht hilfst? Genau diese Glaubenssätze kannst du überprüfen, damit du ihr die Verantwortung für ihr Leben zurückgeben und deines wieder in die Hand nehmen kannst.

Wenn du in diese Arbeit tiefer hineinschnuppern möchtest, bevor du weiterliest, hier ist dein schneller Einstieg für nur 7 Euro netto: 7 Schritte raus aus Narzissmus, rein in die Selbstliebe.

Oder komm direkt zu einem Gespräch mit mir, und lass uns deine individuelle Situation klarstellen und die nächsten konkreten Schritte für dich besprechen.

3. Die kritische Dynamik

Hier steht die Kritik im Mittelpunkt der Beziehung, und meistens beginnt sie bei der Mutter: „Du bist zu laut, du bist zu dick, du bist zu wenig fleißig, du bist zu frech.“ Und dann noch der Satz, den du sicher kennst: „Das sagen alle, nicht nur ich.“

Das geht so lange, bis das Kind glaubt: „Ich bin falsch.“

Genau dieser Glaubenssatz ist fatal, denn ab da übernimmt ein innerer Kritiker die Führung in dir. Und auch, wenn deine Mutter längst tausende Kilometer weit weg lebt – du kannst ausgezogen und sogar ausgewandert sein –, redet diese innere Mutter trotzdem ungefragt noch immer mit: Das war nicht gut genug. Du wirst nie kapieren, wie es geht. Und wie du lachst, das ist ja peinlich. Ich nenne im Video einige konkrete Beispiele aus meinen Räumen.

Eine Klientin hat vor zwei Wochen in unserer Arbeit entdeckt, dass sie deshalb nicht tanzen geht, obwohl sie wirklich gerne tanzen gehen würde. Es könnte ja komisch aussehen, und die anderen können es sowieso besser, sagte sie. Ihre Mutter lebt noch immer mietfrei in ihrem Kopf und kritisiert sie – ständig.

Vielleicht ist deine Mutter dabei eiskalt und abwertend, und du machst es eher empathisch, psychologisch fundiert und mit wunderbaren Erklärungen, bei denen dir jeder recht geben würde.

Bei mir war das eine Zeit lang wirklich so, und besser wird die Sache dadurch nicht, weil Kritik eben Kritik ist.

Hör einmal hin, wenn du über sie und mir ihr sprichst und wenn du mit dir selbst sprichst: Welche Sätze kennst du schon seit deiner Kindheit, und welche hast du inzwischen selbst übernommen?

Du darfst aufhören, sie ständig zu kritisieren und vor allem DICH SELBST. Das beginnt damit, dass du bemerkst, wann du wieder in diesem Urteil bist, und den Gedanken hinter der Kritik anschaust.

Mit diesen Glaubenssätzen starte ich meinen 5-Schritte – Prozess zum PiNK-ROCK! Wir können diesen Weg gerne gemeinsam gehen.

4. Die Kampfdynamik

Vielleicht hast du erkannt, dass es zwischen euch um einen strengen, stetig andauernden Kampf geht. Du kämpfst, um dich zu verteidigen. Du kämpfst, um dich zu erklären. Du kämpfst um ihre Liebe und darum, von IHR endlich gesehen zu werden. Aber es klappt einfach nicht.

Auch deine Mutter kämpft vielleicht auf ihre Art darum, dass du sie endlich siehst und verstehst und als gute Mutter anerkennst. Wenn sie sehr narzisstisch ist, kann sie das manchmal nicht einmal angemessen ausdrücken, sondern „schießt“ mit Kanonen auf dich. Es kommen Sätze aus dem Nichts, die etwas von dir fordern und dich in eine Kategorie stellen, bei der du sofort merkst: „Das bin ich doch gar nicht, Mama.“ Doch du bekommst keine Chance, dich zu erklären, weil sie sagt: „Ich weiß es, und ich habe recht. Basta.“

Manche meiner Klientinnen wurden in dieser Dynamik komplett übersehen, weil die Mutter mit ihrer Kampfenergie die Stimmung in der ganzen Familie gesteuert hat. Dann ging der Kampf nicht nach außen, sondern nach innen, und seitdem richtet er sich gegen dich. Du denkst all die Sätze, die andere Töchter aussprechen würden, und sagst sie nicht. Du spürst den Druck, ziehst die Mundwinkel hoch, lächelst und sagst etwas Nettes zu IHR.

Kein Wunder, dass so viele Frauen mit Dauerspannung zu mir kommen und erzählen, dass sie eine halbe Stunde nach der Massage schon wieder komplett verspannt sind. Sie leben unter diesem Dauerstress, weil sie innerlich noch immer im Kampf mit ihrer Mutter sind.

Kämpfen ist ein Überlebensmodus.

Deine Mutter ist vielleicht schon seit Jahrzehnten in ihrem eigenen Überlebensmodus, und auch narzisstische Verhaltensweisen können dazu dienen, Schuld, Scham und vermeintliche Angriffe von sich fernzuhalten. Unangenehme eigene Anteile werden dann auf andere projiziert, und nach außen funktioniert so ein Mensch oft noch bis ins hohe Alter. Das erklärt etwas von dem, was du erlebst, aber du musst diesen Kampf deshalb nicht weiterführen.

Du darfst aufhören mit DEINEM Überlebensmodus, egal, ob du sofort in den Kampf gehst, verstummst oder freundlich lächelst, obwohl in dir alles eng wird.

Schau in dem Moment, in dem du dich wieder verteidigen oder rechtfertigen willst, zuerst zu dir: Was passiert gerade in mir? Welchen Satz über mich glaube ich, wenn meine Mutter so mit mir spricht?

Du musst sie in diesem Moment nicht überzeugen. Vielleicht antwortest du als erwachsene Frau, vielleicht sagst du erst einmal gar nichts. Entscheidend ist, dass du nicht wieder automatisch in den alten Kampf einsteigst.

Und wenn du das alles längst weißt?

Viele Frauen, die zu mir kommen, haben viele Bücher gelesen, Podcasts gehört, sogar Therapien gemacht und sich Dutzende meiner Videos angeschaut. Sie erkennen ihre Dynamik sofort und erleben sich trotzdem am Telefon mit der Mutter oder beim Besuch bei ihr wieder in derselben Rolle wie mit zwölf Jahren. Als KIND oder als die Mutter beelternde Pseudo-Erwachsene: Innerlich klein, hilflos, überfordert, angestrengt, traurig, wütend und einsam.

Das liegt nicht daran, dass du bis jetzt zu wenig verstanden hast, sondern daran, dass Verstehen im Kopf passiert und diese Muster viel tiefer sitzen als im Kopf. Wir müssen also auch die Gefühle anschauen und den Verstand manchmal „umschiffen“, wenn wir das Verhalten, das dich seit Jahrzehnten leitet, endlich verändern wollen. Denn darauf zu warten, dass SIE sich verändert, wird dich wahrscheinlich nicht befreien. Ändere DU DICH! RAUS aus dem Kindheits-Modus und REIN in die Erwachsene, die ihrer Mutter begegnen kann, ohne sich dabei selbst zu verlassen.

Schau dir gerne nun das Video an, das genau zu diesem Artikel passt und kommentiere gerne, was du für dich herausgefunden hast. Welche der vier Dynamiken erkennst du bei dir?

Schreib es mir gerne unter das Video, denn ich lese jeden Kommentar und antworte auch.

Und wenn du dich zwischen zwei nicht entscheiden kannst, ist das völlig normal, wir dürfen auch in mehreren Dynamiken feststecken, bevor wir uns aus ihnen befreit haben😊!

🎧 Hier kannst du dir die Podcastfolge anhören:

👉 Narzisstische Mutter-Tochter-Dynamiken auflösen

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Herzliche Grüße aus dem sonnigen Spanien,
deine Eva
https://eva-nitschinger.de

 

Eva Nitschinger ist Psychologin, Autorin und Expertin für narzisstische Beziehungen, Traumadynamiken und Selbstliebe. Seit 18 Jahren begleitet sie Frauen mit The Work von Byron Katie und ihrer eigenen Methode, der Heilreise des Inneren Kindes, aus toxischen Beziehungen zurück zu sich selbst.

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