Finde zu Dir selbst – Dein inneres Kind integrieren

Inneres Kind
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Ambivalenzen – unter diesem Begriff versteht man Gedanken, Gefühle und innere Zustände, die jeder von uns kennt. Ich sehe ein Stück Torte, wollte aber eigentlich heute nichts mehr essen… Ich möchte spazieren gehen, aber irgendwie möchte „ein Teil von mir“ auch einfach auf der Couch liegen bleiben und fernsehen…

Teilweise sprechen „in mir drin“ mehrere Personen mit vielleicht sogar unterschiedlichen Stimmen, der eine sagt: Gönn Dir was, du warst so fleißig und der andere sagt: Wie kannst du nur so schwach sein, diese Torte hat 1000 Kalorien… und wieder ein andere sagt vielleicht: Du hast doch gar keinen Hunger, warum solltest Du diese Torte essen?

Und ein Teil bricht dann vielleicht aus und drängt sich nach vor, nimmt die Torte, löffelt ein Riesenstück in den Mund und der Mund schiebt das ganze Stück schnell in die Speiseröhre runter… So ähnlich kennen wir alle „unsere Anteile“.

Nach neueren Forschungsergebnissen werden Psychosomatische Störungen und Konversionsstörungen unter dem Oberbegriff „Somatoforme Dissoziationen“ geführt und den dissoziativen Störungen zugeordnet.

Nach neuen Forschungsergebnissen werden bei schweren und kontinuierlichen Psychotraumatisierungen (insbesondere in der Kindheit) die symptomatischen Empfindungs- und Verhaltensmuster dauerhaft unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen (ego states) zugeordnet. Die Autoren vertreten die Hypothese, dass die entsprechenden Verhaltensweisen, Empfindungen und Einschätzungen auch im späteren Leben, unabhängig von traumatisierenden

Situationen, kaum vermieden werden können. (Nijenhuis, Hart, Steele).

Patienten mit dissoziativen Störungen leiden oftmals unter chronischen Körpersymptomen, die eine Überlebensreaktion des Menschen ist, die Erregungs-oder Betäubungszustände verursacht.

Wie erkenne ich das Vorhandensein „innerer Anteile“?

  • Jemand äußert es: Ich würde zum einem so gerne, aber zu anderen…
  • Die Person verändert ihre Stimme (oft in eine Kinderstimme, leise, piepsend, hoch), ihre Affekte, ihre Stimmung extrem
  • Man sieht, dass die Person „weggeht“, den Augenkontakt verliert und fragt: wo sind Sie jetzt? Was ist denn gerade bei Dir los?
  • Kinder zeichnen gerne diese inneren Anteile, wenn ich sie dazu auffordere: „Zeichne bitte das Kind, das immer so laut schreit und das Kind, das jetzt brav hier sitzt und das Kind, das gestern davongelaufen ist…“ – wie alt ist denn dieses Kind?

Wichtig ist, dass ALLES, was sich zeigt, „da sein“ darf und „da bleiben“ darf. Nichts wird weggeschickt oder bestraft (was aber nicht heißt, dass wir alles gutheißen und entschuldigen müssen!!). Der Anteil wird GESEHEN (oft reicht das schon aus, um sich besser zu fühlen), ANGENOMMEN und WERTGESCHÄTZT (denn irgendwann, z.B. in einer traumatischen Situation machte genau DIESER Anteil SINN).

Danach kann eine Strategie erarbeitet werden, dass der Anteil, der z.B. Schwierigkeiten mit sich bringt, vor dem Schulbeginn z.B. auf den „Spielplatz“ geschickt wird. Wichtig ist, dass man einen sicheren Ort findet, wo diese Anteile „hingehen“ können, wenn man sie nicht dabei haben will oder sie schützen will.

Man kann auch sein inneres Kind oder die inneren Kinder an den Wohlfühlort oder sicheren Ort bringen, z.B. vor schwierigen Begegnungen, die das Kind oder die Kinder nicht mitbekommen sollen. Wichtig ist dabei, dass man das Kind oder die Kinder zu späterem Zeitpunkt nach der schwierigen Situation wieder zurückholt. Wenn man für sich selbst die Übung macht, nimmt man ja dann auch anschließend wieder Kontakt mit der Umgebung auf.

Die inneren Anteile können bei einer Familienaufstellung gesehen werden, das SEHEN der Anteile hilft den Menschen oft schon sehr gut. Es wird plötzlich klar, WIE man sich eigentlich jahrelang gefühlt hat. Oft passieren Traumata schon in den ersten Lebensmonaten (VORsprachlicher Bereich), dann können Menschen oft gar nicht SAGEN, was eigentlich „los“ ist, mit Ihnen, was Ihnen fehlt oder was sie möchten / brauchen, damit es Ihnen besser geht. Auch die körperlichen Symptome können gut GESEHEN werden und somit auf einen guten Platz gebracht werden, damit sie heilen können. Oft reicht wirklich schon das Erkennen aus! Man versteht, warum ein Symptom da ist, lernt es „lieben“ und damit kann Heilung beginnen.

Als anerkannte Traumatherapie möchte ich hier das EMDR (F. Shapiro) nennen, das durch z.B. Bewegungen vor dem Gesicht des Patienten / Klienten von rechts nach links und wieder zurück, die Gehirnareale wieder miteinander verbindet und so das Trauma nachträglich verarbeitet werden kann.

Eine weitere erfolgreiche Therapieform ist Somatic Experiencing (Peter Levine). Es bietet auch das Werkzeug, mit den vielen weniger beachteten dissoziativen Symptomen zu arbeiten, und setzt noch unterhalb der Psyche bei den biologischen Überlebensreaktionen an, die den Kern der Trauma-Reaktion bilden. Trauma wird nicht als Krankheit, sondern als eigentlich physiologisch sinnvolle Reaktion des Organismus angesehen, die nicht zum Abschluss gebracht werden konnte.

Innere Anteile, die durch eine Überforderungssituation entstanden sind oder von Bezugspersonen übernommen wurden, können sehr komplex sein und im extremsten Fall nichts von einander wissen (Dr. Jekyll und Mr. Hide – multiple Persönlichkeit).

Eine einfache und ungefährliche Methode ist EFT (Emotional Freedom Technic).

Für Laien könnte dieses Wissen einfach wichtig sein, damit sie Menschen / Kinder besser verstehen und bei „seltsamen“ Verhaltenseigenschaften nicht mit Ablehnung, sondern mit Verständnis reagieren können. Jeder von uns kann nachfragen, ob die Person wisse, warum er oder sie immer wieder z.B. Schimpfwörter in den Mund nimmt, obwohl die Umwelt so ablehnend reagiert. Wir können sagen, ich mag das nicht, wenn Du so redest, aber ich denke, du willst mir etwas damit sagen. Könntest Du es mit anderen Worten nochmals sagen?

oder: Was genau möchtest du mit dem Rülpsen sagen?

oder: Wenn du so „austickst“ frage ich mich, wie alt du da bist. Weißt du es?

Dann (wenn man in Kommunikation und psychologischen „Dingen“ etwas geschulter ist 😉 ) könnte man fragen: Was ist denn damals passiert? Weißt du es?

oder: Möchtest Du dieses Verhalten verändern oder findest Du das OK, dass Du z.B. am Tisch rülpst?

Viele Erlebnisse in der Kindheit „wissen“ wir HEUTE übrigens nicht mehr. Oft „kommen“ diese Erlebnisse erst in Therapien oder durch Flashbacks wieder „hoch“, (immer wieder kehrende negative, ängstigende Gedanken, Träume, Gefühle…) oder durch erneutes Konfrontieren mit dem Thema (z.B. man hört im Radio von einem misshandelten Kind und weiß plötzlich: das ist mir auch passiert!).

Indizien für traumatische Situationen in der Kindheit können sein:

  • Körperliche Probleme, die medizinisch nicht erklärbar sind.
  • Negative Gefühle, ohne „ersichtlichen“ Grund
  • Überreaktionen, ein hoher Erregungszustand, Stress (ohne „Grund“
  • Dissoziationen im Alltag „wie bin ich hier hergekommen? Keine Ahnung!“
  • Ständige innerer Konflikte
  • Beziehungsstörungen in ausgeprägter Form (z.B. ständig wechselnde Partner)
  • Essstörungen
  • Selbstverletzungen
  • Drogen / Alkoholmissbrauch

oder aber auch:

  • keine „innere Welt“
  • Leere!!
  • Depressionen
  • Erstarrung („totstellen“)
  • Unangemessen Reaktionen (z.B.: Gleichgültigkeit bei einem Todesfall)
  • kein Körpergefühl (Haut ist verbrannt, weil das Badewasser zu heiß war)

Das Innere Kinder Retten von Gabriele Kahn

Ist eine sanfte und neue Traumatherapiemethode.

Sie ist ähnlich wie die Seelenrückholung der Schamanen, baut aber auf unserem westlichen Konzept auf.

Sie verhindert, dass die Erwachsene zurück ins Trauma geht und dadurch  RETRAUMATISIERT wird, indem ein HELFER in die Traumasituation zurückgeschickt wird, um das Kind zu retten.

Wenn das Kind auf dem sicheren Kinderort ankommt, ist es geheilt )auch durch begleitendes EMDR – Tapping auf den Oberschenkeln), somit kann die erwachsenen wieder gut Kontakt zu dem Kind aufnehmen und irgendwann sich selbst mit dem Kind zusammenführen, d.h. das Kind integrieren.

Körperliche und seelische Symptome müssten immer mehr und mehr verschwinden, wenn man seine inneren Kinder in Sicherheit bringt und somit heilt.

Weiterführende Bücher: Buchtipps für Interessierte:

  • Das Erwachen des Tigers, Peter Levine, 1999
  • Trauma und die Folgen, Michaela Huber, 2009
  • Ich bin Ok, du bist OK!- Thomas Harris
  • Der innere Garten – Michaela Huber (incl. CD mit Anleitungen)
  • Das Innere Kinder Retten – Gabriele Kahn
  • Das Gehirn eines Buddha – für an Neurowissenschaften Interessierte
  • Und als „anderen“ Zugangsweg: Lieben was ist – Byron Katie
  • Auf YouTube: „Das automatisierte Gehirn“

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